Interview im Checkpoint Alfeld Teil 3

Bild by Oomph!
Bild by Oomph!

 

Dero: „Dark“ ist meiner Meinung nach noch besser, weil verschachtelter von der Handlung her. Es geht auch ein bißchen in diese Richtung, ist aber noch gruseliger, noch verwirrender und verstörender. Ich finde Serien laufen den Filmen gerade ein bisschen den Rang ab. Da fließt das große Geld momentan hin und mit viel Geld hat man viele Möglichkeiten. Man hat in einer Serie einfach mehr Zeit, um gute Geschichten zu erzählen und viele verschiedenen Charaktere zu etablieren und das finde ich eigentlich ganz schön. Ich mag nach wie vor auch klassische Filme, aber es gibt mittlerweile wirklich ganz tolle Serien. 

 

 

 

Martina: Gibt es eigentlich irgendwelche Blockbusters, Filme oder eben auch Serien auf deren Fortsetzung du schon ungeduldig wartest?

 

Dero: Ich habe letztens gehört, dass es „Indiana Jones 5“ geben soll. Sie wollen wohl so lange Harrison Ford noch lebt, eine Fortsetzung machen. Ich bin natürlich ein großer Fan von Harrison Ford und von den Indiana- Jones- Filmen. Von daher finde ich das schon spektakulär, dass Steven Spielberg nochmal einen Film drehen will mit dem guten alten Harrison Ford.
Ich finde aber auch die drei Filme von „Zurück in die Zukunft“ super, aber da jetzt eventuell noch einen weiteren Film zu drehen, fände ich total unkultig. Außerdem finde ich die „Alien“-Filme richtig gut.

Martina: Lazarus? Geht es hier um die biblischen Geschichte oder um den Lazaruseffekt?

Dero: Ich will mich da gar nicht festlegen. Das wäre hinderlich, wenn ich jetzt versuchen würde, den Text zu erklären. Ich finde, wenn ein Musiker so ehrlich seinen Text offenbart, wie er ursprünglich gemeint ist, dann verliert er doch auch seinen Zauber.

Martina: Dann frage ich jetzt anders. Lazarus ist doch jetzt schon die Person aus der biblischen Geschichte, die von Jesus „wiederbelebt“ worden ist, oder?

Dero: Genau. Lazarus war eigentlich totgesagt und wurde dann wieder zum Leben erweckt. Das ist auch so ein bisschen eine Metapher auf unsere Band. Wir wurden ja auch schon öfter für tot erklärt und kamen dann doch immer wieder. Wir sind  ja immerhin schon fast 30 Jahre alt….als Band! ;-)

Sabrina: Gibt es einen Song vom neuen Album, auf den Du Dich besonders freust, ihn live zu performen?

Dero: Ich freue mich schon auf alle, die wir ausgewählt haben. Aber welche das sind, verrate ich noch nicht. Wir werden auf  jeden Fall nicht das ganze Album spielen. Das würde die Leute überfordern und sie wären auch enttäuscht, wenn wir dafür so viele alte Songs aus dem Set schmeißen würden.

Martina: Wie weit seit ihr mit den Tourvorbereitungen?

Dero: Wir sind mittendrin und freuen uns schon total drauf. Alle üben schön kräftig.  

 

 

 

Martina: Tretet ihr wieder zu siebt auf?

Dero: Das schauen wir mal, wie wir live auftreten.Wir sind immer für eine Überraschung gut. Von daher lasse ich das mal offen…

Sabrina: Wann soll das neue Video, das ihr in Wien und Innsbruck gedreht habt, denn erscheinen?

 


Dero: Wir haben sogar zwei Videos gedreht und das erste davon erscheint am Freitag, 21.12. 2018., das zweite voraussichtlich Anfang Februar 2019!
 

 

Sabrina: Zu welchen Songs wurden sie eigentlich gedreht?

Dero: Lasst euch doch einfach mal überraschen! Was würdest Du denn schätzen?

Sabrina: Das kann ich noch nicht einschätzen, weil ich die Songs noch nicht gehört habe. Deswegen halte ich mich damit noch zurück.

Martina: Eine Frage zu den Promofotos des Albums:
Hattet ihr das schon vorher geplant, diese mit den Anzügen zu machen oder habt ihr das nach den Orchestershows in Russland entschieden, weil die so gut ankamen?

Dero: Wir wollten auf jeden Fall einen neuen Stil etablieren und fanden selber auch, dass wir in den Anzügen gut aussahen. Bevor wir jetzt komplett rumexperimentieren, haben wir uns gedacht, einfach mal das zu machen, was wir schon kurz vorher selbst als gut befunden hatten. Deshalb haben wir die Smokings genommen.

Martina: Was sind das für Werkzeuge, die ihr auf den Fotos in den Händen haltet?

Dero: Das sind Folterwerkzeuge…

Martina: Habt ihr schon die Zeit dazu gefunden, das russische Material anzusehen von den Klassikkonzerten? Wird es eine DVD geben?

Dero: Wir haben mal kurz reingeguckt, ob technisch alles passt. Da sind wir sehr froh, dass dies so ist. Wir planen auf jeden Fall, das auf DVD rauszubringen, aber können noch nicht sagen wann. Das ist alles eine Zeitfrage. Jetzt liegt der Fokus erst mal auf dem neuen Album und der kommenden Tour. Aber es würde sich vielleicht zum 30-jährigen Jubiläum anbieten.

Martina: Wann ist das denn nun eigentlich? Dazu gibt es gerade verwirrende Infos?

Dero: Das kann man jetzt so oder so feiern. Das hängt davon ab, ob Du von der Gründung ausgehst oder vom Bühnenjubiläum. Bühnenjubiläum wäre übernächstes Jahr, also 2020. Dadurch, dass es ein Livekonzert ist würde sich das Ganze ja durchaus zu diesem Jubiläum anbieten. Schauen wir mal. Wir sind ja zum Glück sehr flexibel.

Sabrina: Andreas hat uns eine Frage geschickt. Er würde gerne mal wissen, wie ihr die Alben aufnehmt, ob jeder einzeln oder alle zusammen. Nehmt ihr erst die Musik oder erst den Gesang auf?

Dero: Wir komponieren und halten zuerst einfach schnell eine Idee fest, ganz egal wie gut sie von der Soundqualität ist oder wie sauber sie gespielt ist. Hauptsache, die Idee steht erstmal.
Dann werden alle Ideen ausproduziert, bis sie fertig sind. Ganz zum Schluss wird dann alles neu aufgenommen und das geschieht dann nacheinander. Erst das Schlagzeug, dann der Bass, anschließend die Gitarren und zum Schluss den Gesang. Die Keyboards wurden meistens schon bei der Komposition eingespielt.

Sabrina: Jenny fragt: Erinnerst du dich noch, welches Lied oder Sänger/Sängerin oder Gruppe du als erstes gehört habt?

Dero: Als ich zwischen sechs bis acht Jahre alt war, habe ich die Plattensammlung meines Vaters auf einem alten Plattenspieler komplett ruiniert. Das waren Sachen von Frank Sinatra, Elvis, Perry Como, Sammy Davis Junior, Dean Martin, Abba, Beatles... So ein altes Zeug habe ich immer als kleiner Junge gehört und irgendwann waren die Scheiben dann so zerkratzt, dass man sie nicht mehr abspielen konnte. Mein Berufswunsch war zu dieser Zeit also ganz offensichtlich DJ! ;-)

Martina: Was habt ihr noch für Wünsche, die ihr euch noch erfüllen wollt als Oomph! ?

Dero: Es gibt ja noch ganz viele Regionen und Länder, in denen wir noch nie gespielt haben, wie zum Beispiel in Japan, Neuseeland, Afrika oder Australien. Ich könnte mir schon vorstellen, in diesen Regionen mal zu spielen. Ich könnte mir auch vorstellen, mal ein Duett mit Björk zu machen.

 

 

Martina: Wie kommt ein Duett eigentlich zustande? Sucht ihr da Kontakt zum Management oder wo müsste man da anfragen?

Dero: Meistens trifft man sich backstage auf irgendwelchen Festivals, unterhält sich, knüpft Kontakte und fragt dann, wenn sich ein Song dafür anbietet, ob sich der-  oder diejenige vorstellen könnte, ein Duett mit uns zu machen. 

 


Martina: Also dann müssten wir ja mal versuchen, dass Björk zum Mera Luna kommt?

Dero (lacht): Zum Beispiel!

Martina: Was würdet ihr nie wieder oder erst gar nicht tun?

Dero: Ich finde alles legitim, was wir getan haben. Weil ohne die Fehler, die wir gemacht haben, wären wir nie dahin gekommen, wo wir jetzt sind und hätten uns auch nicht weiterentwickelt. Von daher bereue ich nichts, sondern es hat mich weitergebracht als Mensch. 

 

Was würde ich erst gar nicht tun? Ich habe meine ganz eigenen moralischen, ethischen und politischen Grenzen, die ich nicht überschreiten würde. Das muß aber jeder für sich selbst abwägen und entscheiden. Ich sage jetzt nicht, dass jeder das nicht machen darf, was ich auch nicht tue. Ich schließe da also keineswegs von mir auf andere. Aber jeder hat da wohl seine eigenen Grenzen, die er sich gesetzt hat, und tut dann einige Dinge nicht, weil sie Scham, Ekel oder Unbehagen bei ihm hervorrufen. Es soll aber auch einige geben, die wirklich ALLES tun…die müssen dann allerdings auch mit den Konsequenzen leben, die sich da durchaus auf juristischer Ebene auftun könnten…

Martina: Hast Du ein absolutes Lieblingstier, auch wenn man es nicht zuhause halten kann und gibt es Tiere, vor denen du dich ekelst oder vor denen du Angst hast?

Dero: Ich finde Delphine sehr interessant, weil sie so intelligent, anmutig und geschmeidig sind, und weil sie im Element Wasser leben und trotzdem sehr hoch entwickelt sind.  

 

Ich finde Tiere im allgemeinen sehr interessant. Dass ich vor einem Tier direkt Ekel empfinde, kann ich nicht sagen. Aber es gibt natürlich angeborene Ängste, weil der Mensch in seiner Evolution wahrscheinlich gemerkt hat, dass es Krabbeltiere oder Schlangen o.ä. gibt, die ihm vielleicht gefährlich werden könnten, weil sie z.B. sehr giftig sind. Deswegen zuckt man auch unwillkürlich zusammen, wenn man eine Spinne oder eine Schlange sieht, weil es ja auch wirklich tödliche Spinnen oder Schlangen gibt. Ich glaube, das ist ganz normal und ganz natürlich. Aber generell empfinde ich keinen Ekel vor Spinnen, Schlangen usw...Ich schau sie mir auch gerne an, solange sie in einem Kasten sind. Ich habe auch schon mal eine Schlange gestreichelt.

 

 

Sabrina: Hast du noch immer eine Lieblingsgeschichte oder Märchen aus deiner Kinderzeit?

Dero: Absolut. Ich bin ein ganz großer Fan von „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“. Das sind die absoluten Lieblingshelden meiner Kindheit. Die waren neugierig, mutig und frech! Gleichzeitig war Huckleberry Finn  wohl der erste Punkrocker der Literaturgeschichte. Er hat sich um nichts geschert, hat in einem großen Holzfass gelebt. Er hatte keine Eltern, die sich um ihn gekümmert haben. Die Mutter war tot, der Vater ein Säufer und Schläger. Er war ein sozialer Außenseiter und hat eigentlich für sich alleine gelebt. Trotzdem kam er klar im Leben. Er war in dem Dorf, in dem er gelebt hat, der Unantastbare, mit dem eigentlich niemand spielen durfte. Tom Sawyer hat es trotzdem gemacht. Sie waren die besten Kumpels und haben zusammen die tollsten Abenteuer erlebt. Es sind einfach tolle Charaktere, die damals von Mark Twain entwickelt wurden.

 

 

Sabrina: Nennst du uns drei Dinge, die du super findest und drei Dinge, die du absolut gar nicht gut findest?

Dero: Ich mag Neugier, Spontanität und positive Verrücktheit. Ich mag nicht: geistige Inflexibilität, Prinzipienreiterei und Ignoranz.

 

 

Martina: Hast du noch ein Spielzeug oder ähnliches aus deiner Kindheit, von dem du dich nicht trennen konntest oder an die nächste Generation weitergegeben hast?

 

 

Dero: Ich habe noch ein ganz altes Monopoly-Spiel, ein ganz altes Schiffe-versenken-Spiel und ein Tipp-Kick-Spiel. Darüberhinaus habe ich auch noch ganz viele alte Legosachen.

Martina: Hast Du von Lego dann etwas bestimmtes gesammelt? Es gab ja z.B. die verschiedensten Raumschiffe.

Dero:  Nein, so ganz spezielle Sachen gab es in meiner Kindheit noch nicht. Da gab es lediglich die bunten Lego-Stein-Sammlungen. Damit konntest du bauen, was du wolltest. Da war die Phantasie noch gefragt. Später gab es dann bei Lego alles mögliche von Star Wars über Drachen und andere Sagengestalten bis hin zu Lego-Technik für die zukünftigen Ingenieure unter uns.

 

 

Martina: Kirsten möchte wissen, ob Du handwerklich begabt bist?

 

 

Dero: Nein. Eher nicht…

 

 

Martina: Machst Du mit „What about Bill?“ eigentlich wieder ein Weihnachtsvideo?

 

 

Dero: Lass Dich doch mal überraschen! 

 

 

Martina: Man hat mich gefragt, ob Dein Tattoo inzwischen fertig ist? Das Beweisfoto habe ich abgelehnt. (schmunzelnd)

 

 

Dero: Nein. Das ist noch nicht fertig. 

 

 

Sabrina: Wir haben noch eine Frage zum Thema Weihnachten und Advent. Wir haben uns letztens darüber unterhalten, wie Weihnachten früher gefeiert wurde und wie es heute gefeiert wird. In meiner Kindheit gab es einen Adventskalender mit Schokolade oder mit Bildern und zu Nikolaus einen Nikolausstiefel mit Süßigkeiten und Nüssen darin.  

 

 

Martina: Am krassesten fand ich den Adventskalender mit 24 verschiedenen Sockenpaaren oder einen Weihnachtsmann als Toilettenbezug.

Dero: Ja, oder Amorelie, jeden Tag einen anderen Dildo drinhaben....man verzeihe mir diese Doppeldeutigkeit! ;-)

Martina: Da artet ja der Adventskalender schon zum Stress aus.

Sabrina: Die Frage war, ob dadurch nicht das Wesentliche oder zumindest sehr viel an Traditionen und Ritualen immer mehr verloren geht?

Dero: Absolut. Das war aber schon immer so, seitdem es die Menschen gibt. Rituale und Traditionen tauschen sich aus, wechseln sich ab und entwickeln sich weiter. Man muss für sich selbst entscheiden, was für einen wichtig ist, was ich weiter pflegen möchte und was für mich überflüssig ist. Das sollte man individuell und ganz persönlich so gestalten, wie man es möchte. Jeder hat doch die Chance, seine eigenen Rituale und Traditionen in seiner Familie und seinem Freundeskreis zu etablieren. Wichtig ist, dass da nichts zwanghaft geschieht…

 

Es gibt natürlich Gesellschaften, wo es durchaus solche Zwänge gibt, aber ich mag Zwänge überhaupt nicht und finde es von daher schön, dass man hierzulande die Freiheit hat, ein Ritual auch mal wegzulassen.
Sicher leben wir in einer Konsumgesellschaft, im Turbo-Kapitalismus. Dieser wird gerade in allen möglichen Bereichen auf die Spitze getrieben. Aber man spürt auch deutlich, dass dieses System seine Blüte längst hinter sich hat…

 

 

Sabrina: Unsere letzte Frage: Was wünscht ihr euch bzw. du dir für 2019?

 

 

Dero: Zuerst mal Erfolg für unser Album, für unsere Tour, Gesundheit und Weltfrieden.

Martina: Dann bedanken wir uns bei Dir für die Autogrammkarten und dafür, dass Du Dir so viel Zeit für unser Interview genommen hast.  :)