Interview im Checkpoint Alfeld Teil 2

 


Dero: Ich finde es ja gut, dass die Menschen sich entscheiden können, ob sie an einen Gott glauben oder eben nicht, ob sie zweifeln, weil sie es ja eigentlich nicht wissen können, oder ob sie an viele Götter glauben. Das ist ja die Gnade in der Welt, dass man letztlich nichts beweisen kann. Ich glaube auch nicht, dass dieses Rätsel des Universums oder der Schöpfung, wenn es denn überhaupt eine gab, irgendwann einmal lösbar ist und das ist für mich tröstlich, denn wenn wir wissen würden, dass es einen, mehrere oder keinen Gott bzw. keine Götter gibt, dann wäre das Leben doch nur noch ein zynisches Puppentheater. Niemand könnte sich mehr entscheiden…eine grausame Vorstellung!

Martina: Ich denke, dass es auch  Absicht sein könnte, dass dieses Rätsel unlösbar ist, damit sich dann jeder dazu seine eigenen Gedanken dazu machen kann.

Dero: Sagen wir mal so. Es lässt zumindest darauf schließen, dass sich vielleicht mal irgendwer darüber Gedanken gemacht hat. Wenn das alles rein zufällig wäre, dann könnte es dem Zufall doch völlig egal sein, ob wir wissen, das alles nur zufällig geschieht bzw. geschah. Ich finde, es lässt zumindest die Idee entstehen, dass sich vielleicht eine höhere Intelligenz darüber Gedanken gemacht hat, was vielleicht die wahre Gnade des Lebens sein könnte. Die wahre Gnade kann nämlich meiner Meinung nach nur die Freiheit sein, zu entscheiden, ob man glaubt oder nicht, ob man Atheist, Agnostiker oder Gläubiger ist…

Martina: Ich könnte mich da jetzt eigentlich gar nicht festlegen. Ich interessiere mich eher allgemein für verschiedene Religionen, lese da ab und an auch gerne darüber und kann mir das eine oder andere aus den verschiedenen Religionen dann auch vorstellen oder eben auch nicht. Vielleicht ist es ja auch eher eine Mischung aus den ganzen verschiedenen Glaubensrichtungen?

Aber nun ein paar Fragen zu den Songs:

 

Kein Liebeslied? Du sollst in einem Interview gesagt haben, dass dies ein Song über die sprachliche Verrohung und Vereinfachung der Sprache in der digitalen Gesellschaft wäre?

Dero: Auch, aber nicht nur. Wir reflektieren darin auch die menschliche Evolution vom Anfang der Menschheit bis jetzt und stellen auf zynische Art und Weise die Frage, ob wir uns unterm Strich überhaupt weiterentwickelt haben. Wir haben natürlich viele Errungenschaften in der Forschung, Technik, Wissenschaft und Entwicklung hervorgebracht aber haben wir uns zwischenmenschlich wirklich weiterentwickelt? Es gibt immer noch Hass, Konkurrenz zwischen den Religionen, Konkurrenz zwischen Atheisten und Gläubigen. Es gibt immer noch Kriege, Mord und Totschlag.
Auf dieser Ebene hat sich nicht viel getan, würde ich mal behaupten. Von daher fand ich es mal ganz interessant, das aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Wenn man den Menschen als eigentlich größte Plage der Erde, der Natur ansieht, weil er im Highspeedtempo seine eigene Lebensgrundlage zerstört, kann man eigentlich kein Liebeslied über die Menschheit schreiben.

Martina: In einem Quiz fand ich eine Frage vor kurzem sehr interessant. Die ganze Evolution wurde in einem Jahr dargestellt und die Kandidaten sollten dann einschätzen, wann der Mensch in Europa auftritt. Es waren die letzten fünf Minuten. In welch kurzer Zeit wir es dann geschafft haben, so viel schon von unserer Erde zu zerstören, fand ich sehr erschreckend.

Dero: Hut ab! Und der Menschen denkt, er wäre die Krone der Schöpfung. 

 


Martina: Und dabei ist er das schlimmste Raubtier.

 


Dero: Er ist eines der schlimmsten Raubtiere, aber er ist auch vernunftbegabt. Er bleibt somit ambivalent. Er kann aus seinen Fehlern lernen, wenn er will. Und oft genug hat er sich ja auch schon am eigenen Schopf aus der Scheiße gezogen, die er selbst angerichtet hat. Aber im Durchschnitt hat eine Spezies nie länger durchgehalten als 1,5 Millionen Jahre, die sie auf der Erde gelebt hat. Da ist der Mensch ja schon an der Grenze, wenn man die Urmenschen dazu zählt. Dann ist die Uhr für uns schon langsam abgelaufen.
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Erde nicht untergeht. Der Mensch bildet sich ja immer ein, dass er die Welt völlig zerstören könnte. Das ist auch wieder so eine grenzenlose Selbstüberschätzung des Menschen. Aber das wird er nicht schaffen Die Welt schüttelt sich einmal, dann ist der Mensch weg und nach etwa 50.000 Jahren ist wieder neues Leben da. All das Leben, das auf dem Meeresboden ist, interessiert es doch gar nicht, wenn wir hier oben alles kaputt gemacht haben. Dann entsteht halt wieder neues Leben. Der Mensch kann zwar seinen eigenen Lebensraum zerstören, aber nicht die ganze Welt.

Martina: Die Grundstoffe, aus denen das Leben entsteht, angefangen bei den Molekülen und Atomen, sind ja dann trotzdem noch da, die werden da bestimmt wieder einen neuen Weg finden.

Dero: Das sowieso, die gehen nicht verloren.

Martina: Hat der Song „Schweigen der Lämmer“ mit dem Film zu tun?

 

 

Dero: Nein, er hat nichts mit dem Film zu tun. Ich fand nur den Titel total interessant, weil er sehr gut zu dem Song passt. Es geht hier um Missbrauch innerhalb der Kirche. Wenn die Hirten die eigenen Schutzbefohlenen, die Lämmer missbrauchen und die Lämmer dann auch noch systematisch zum Schweigen gebracht werden, wenn diese abscheulichen Taten auch noch jahrzehntelang von ganz oben innerhalb der Kurie gedeckt und vertuscht werden, dann ist ein Maximum an Perversion erreicht. Das ist das Thema des Songs. Aber ich fand es irgendwie sinnvoll, durch den „Horror“ und das blanke Entsetzen, den dieser Film immer noch ausstrahlt, diesen Link zum realen Horror solcher Geschehnisse herzustellen, weil es natürlich nichts als Horror, psycho und total krank ist, dass Missbrauch seit Jahrzehnten in sämtlichen Kirchen der Welt stattgefunden hat und die Macht von den Geistlichen ausgenutzt wurde, um Kinder und Jugendliche zu mißbrauchen.

Martina: Da wurde ja sehr vieles vertuscht.

 

 

Dero: Absolut, aber zum Glück kommt jetzt doch alles nach und nach ans Licht. Das zeigt nur, dass da, wo die Moral am Lautesten postuliert wird,  sie meistens hinter verschlossenen Türen mit Füssen getreten wird.

 

 

Martina: Welcher Film, den du zuletzt gesehen hast, hat dir besonders gut gefallen?

 

Dero: Ich habe eher Serien geschaut, die mir sehr gut gefallen haben wie z.B. „Stranger things“ oder „Dark“.„Dark“ fand ich richtig toll, eine deutsche Serie auf Netflix, die ich sehr empfehlen kann und ich freue mich schon total auf die zweite Staffel.

Martina: „Stranger things“ kenne ich. „Dark“ habe ich noch nicht gesehen. Geht das ungefähr in die gleiche Richtung?